Kinästhetik-Kurs 2017 | www.kompetenzzentren-gia.de

2. Kurs für gehörlose Angehörige & Interessierte erfolgreich!


Kinästhetik-Kurs für gehörlose Angehörige und Interessierte im Frühjahr 2017

Im Frühjahr 2017 fand der zweite Kinästhetik-Kurs für gehörlose pflegende Angehörige und Interessierte statt – ein deutschlandweit einzigartiges Angebot.

Der Kurs war eine Kooperation mit der ausgebildeten Krankenschwester und Kinästhetik-Trainerin Brigitte Luckei, den Kliniken Essen-Mitte und dem GIA Kompetenzzentrum Essen. Insgesamt 10 TeilnehmerInnen nahmen erfolgreich teil. Die Gebärdensprachdolmetscherinnen wurden über das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation und Alter (MGEPA) sowie den Landesverband der Pflegekassen NRW finanziert.
 
Kinästhetik – was ist das? Kinästhetik ist eine Schule der Bewegung. Denn: Wer einen Menschen zuhause pflegt, kommt irgendwann an seine Grenzen. Psychisch und körperlich. Wie lässt sich der Alltag von Pflegenden erleichtern? Bei Kinästhetik wird geschaut, was der Pflegebedürftige selbst noch kann. Er wird angeregt, selbst mitzuhelfen. Das erleichtert den Pflegealltag sehr.
 
Die pflegenden Angehörigen lernen zuerst, eigene Bewegungen zu beobachten und wahrzunehmen. Und dann die Bewegungen des Pflegebedürftigen. Angehörige lernen außerdem, schädigende Bewegungen zu vermeiden und somit kräfteschonender zu pflegen.
 
In einer Informations-Veranstaltung im September 2016 wurde der Begriff Kinästhetik und der Ablauf eines Kinästhetik-Kurses vorgestellt. 10 gehörlose Angehörige kamen, spürten am eigenen Körper, was Bewegung heißt und wie es sich leichter bewegen lässt. Sie lernten und probierten verschiedene Hilfestellungen anhand von Übungen aus. Die Veranstaltung fand im Schulungsraum im Haus Schäpenkamp (MARTINEUM) statt.
 
Im Frühjahr 2017 startete dann der Kinästhetik-Grundkurs. An 4 Samstagen (insgesamt 21 Stunden) trafen sich 10 TeilnehmerInnen aus Herford, Lippstadt, Salzkotten, Recklinghausen, Gelsenkirchen und Essen im Ev. Seniorenzentrum MARTINEUM.

In dem Kurs lernten die gehörlosen TeilnehmerInnen zunächst, eigene Bewegungen genau zu beobachten. Denn dann kann man besser verstehen, wie der Hilfebedürftige sich bewegt. Zum Beispiel:  wie stehe ich vom Stuhl oder vom Boden auf? Wieviel Kraft brauche ich dafür? Was kann mir helfen beim Aufstehen? Wie kann ich jemandem helfen, der einen Schlaganfall hat? In vielen praktischen Übungen lernten sie, wie man anderen Menschen helfen bzw. sie gut pflegen kann, und dabei gut auf sich selbst zu achten. Ob auf dem Boden, im Sitzen auf dem Stuhl oder in einem Pflegebett –  es wurde viel ausprobiert, wie man die vorhandenen Kräfte des Anderen nutzen und so besser pflegen kann. Es gab Arbeitsmaterial mit Bildern. Am Ende erhielt jeder Teilnehmer ein Zertifikat.

Die Dozentin Brigitte Luckei hat sich hervorragend an die Bedürfnisse der gehörlosen Teilnehmer angepasst und entsprechend viel Zeit für Fragen und Erklären eingeplant. Der hohe Anteil an praktischen Übungen machte deutlich, wie man mit kleinen Tricks schon viel bewegen kann. Die TeilnehmerInnen waren begeistert und hatten viel Spaß beim Lernen und Üben. Die zum Teil weit angereisten Teilnehmer gingen hoch zufrieden und mit viel „Handwerkszeug“ für den Alltag nach Hause.
 
Der Kurs war wieder ein voller Erfolg – und zeigt, wie hoch der Bedarf an praxisbezogenen, gut verständlichen, barrierefreien Angeboten ist.

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